Stadtentwicklung - permanente Aufgabe für ein zukunftsfähiges Marburg


Stadtplanung und -entwicklung sind an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger sowie den ständig sich wandelnden Rahmenbedingungen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene auszurichten.

Sicherung und Ausbau der Ausbildungs- und Arbeitsplätze, der Philipps - Universität, von Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrswegen und -mitteln, von Einrichtungen, die den Bedürfnissen des Wohnens, der Kultur, des Sports und allgemein der Freizeit dienen, sind Elemente der Stadtentwicklung.

Die Planung und Erstellung eines sinnvollen Nutzungskonzepts für die durch den dritten Bauabschnitt des Klinikums frei werdenden Liegenschaften, lässt immer noch auf sich warten. Negative Einflüsse auf Handel und Gewerbe, wie sie durch die Verlagerung von Teilen des Klinikums im Rahmen des ersten Bauabschnittes schon zu beklagen waren, dürfen sich nicht wiederholen. Das Bauvorhaben der Deutsche Vermögensberatung AG wertet die Nordstadt auf; umso dringender sind ergänzende Planungen und Maßnahmen von Stadt und Universität in dem Bereich zwischen Bahnhof und neuem Campus.

Die Weiterentwicklung eines interessanten Kultur-, Bildungs- und Freizeitangebots für alle Marburger und Marburgs Gäste, muss auch den Fremdenverkehr fördern und darf nicht nur Partikularinteressen dienen. Die Kosten für den geplanten Umbau der Stadthalle übersteigen bei weitem das vertretbare Maß.

Marburgs Arbeitgeber, vom kleinen und mittleren bis zum Großbetrieb, benötigen zuverlässige Bedingungen für ihre Weiterentwicklung am Standort Marburg. Die Bauleitplanung hat diesem Ziel Rechnung zu tragen. Nur so können Arbeits- und Ausbildungsplätze gesichert und gemehrt werden. Für die Unternehmen spielt die Verbesserung der Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln eine wichtige Rolle. Wenig gelungene Gewerbeflächenzuschnitte wie die in Gisselberg, schrauben die Kosten nach oben und sind deshalb schwer zu vermarkten.

Für den Einzelhandel muss Marburgs Stellung als Einkaufsstadt wesentlich verbessert werden. Dies gilt namentlich für die Nordstadt und das Biegenviertel aber auch für die Altstadt. Der Ruf nach einem professionellen Stadtentwickler ist in Marburg immer wieder zu hören. Die Bausatzung "Marburger Altstadt" ist reformbedürftig. Ihre Festlegungen entsprechen nicht mehr in allen Punkten den Anforderungen eines modernen Einzelhandelsstandortes. Das Südviertel ist gekennzeichnet von einem Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten. Die Bauleitplanung kann gerade  hier einen Bereich der kurzen Wege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz fördern. Allerdings wird die Erneuerung des Allianzgebäudes in der Universitätsstraße/Gutenbergstraße den Charakter der Südstadt stark verändern und nicht ohne Auswirkung auf die Geschäfte der Oberstadt bleiben. Hier muss ein ausgewogenes Gleichgewicht geschaffen werden.

Der innerstädtische ruhende und fließende Verkehr ist in allen Bereichen leider nach wie vor nicht zufrieden stellend geregelt. Ein zukunftsgerechtes Verkehrskonzept für die Zeit nach der Fertigstellung der neuen Universitätsbibliothek bzw. des Innenstadtcampus im Bereich der Deutschhausstraße/Pilgrimstein ist nicht in Sicht. Die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger sind wichtiger als Ideologien. Die Möglichkeiten für einen bezahlbaren ÖPNV sind auszuloten vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage der Stadtwerke und der öffentlichen Hand. Strom- und Gaspreise sind losgelöst von Fragen des öffentlichen Personennahverkehrs zu bilden.

Die Entwicklung von Siedlungsschwerpunkten lehnt die MBL vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem Baugebiet "Michelbach Nord" ab. Ein organisches Wachstum, verteilt auf alle Bereiche der Stadt, nimmt eher Bezug auf die Bedürfnisse der Menschen. Der Maxime Innenentwicklung vor Außenentwicklung kommt ein hoher Stellenwert zu.

Die Marburger Gewerbeflächenpolitik ist nach wie vor völlig unzureichend und geht in die falsche Richtung. Die Abwanderung von Industriebetrieben, wie z.B. eines Betriebes nach Fronhausen, kann mit dieser Politik nicht verhindert werden. Es fehlt vor allem an der Ausweisung und Bereitstellung von Gewerbegebieten und Industriegebieten (GI - Gebiete), die erschwinglich sind. Der Gemeinde Lahntal ist es in den letzen Jahren vorbildlich gelungen, Gewerbe in einem neuen Gewerbegebiet anzusiedeln. Auch ein Marburger Industriebetrieb ist dabei. Die These, wonach Neuansiedlungen nicht real sind, wird von anderen Gebietskörperschaften widerlegt.

Die Solarsatzung sowie die Energieversorgung mit Anschluss- und Benutzungszwang wird von der MBL abgelehnt. Es ist angemessen, dass in einer freien Gesellschaft jeder Einzelne selbst bestimmt, welche Form der Energieversorgung und welchen Anbieter er wählt. Nur individuell kann entschieden werden, welcher Weg am effektivsten zur Energieeinsparung und –effizienz ist.